Eine neue Zeit der Kunstgeschichte könnte anbrechen, vertraut man auf Brad Pitt oder Sotheby´s, das die Arbeit dieses Künstlers prompt zur modernen Klassik zählt. Die Rede ist von dem vermeintlichen Künstler Bansky.
Eine Ratte war verschwunden. Eine Ratte aus Aerosol auf einer Mauer, die geradezu chirurgisch von ein paar Dieben entfernt wurde. Die Ratte darf sich somit als erstes Graffiti bezeichnen, das mitsamt Mauerunterlage entwendet wurde. Dabei geht es aber nicht um ein paar altbekannte Schriftzüge im Bubble-Style, sondern um ein kleines Kunstwerk, das ballspielende Tier, das mithilfe einer Schablone ihren Weg auf Stein fand.

Banksy, Foto: Urban Art Association_Flickr
Zuletzt wurde sogar versucht, das Stück über Ebay zu versteigern und hätte wohl ein Vermögen einbringen können, doch Anwohner von Gloucester Gardens beschwerten sich und die Auktion musste abgebrochen werden. Putzkolonnen gegen Graffiti werden in Städten wie New York, London, Berlin und Bristol aufgehalten, doch die Ratte bleibt verschwunden.
Mit diesem kleinen Tier schaffte es Bansky sein Graffiti-Werk teurer zu machen als das Haus selbst, dass es vorher noch zierte. Die Diebe wussten dabei genau, was sie tun, denn im Januar 2007 wurde durch Sotheby´s bereits ein Bild von Bansky für umgerechnet achtzigtausend Euro verkauft. Selbst seine gesprayte Signatur handelt man im Internet für 8500 Dollar.
1974 in Bristol geboren, tauchte er plötzlich auf, wobei man sich nicht mal um seinen richtigen Namen sicher ist. Nicht einmal sein Gesicht kennt man. Ein einziger Journalist führte nur je ein Interview mit dem mysteriösen Künstler durch und hat mittlerweile jedoch auch keinen Kontakt zu ihm. Man scheint schwer heranzukommen an den etwas ungepflegten, aber sympathischen Mann mit silberner Kette und silbernem Zahn, den der Journalist damals zu Gesicht bekam. Doch für weitere Gespräche sei Bansky nicht bereit, ließ er von seinem Manager ausrichten. Um seine Arbeit nicht hinter Gittern fortführen zu müssen, sei Anonymität das Wichtigste.
Brad Pitt sammelt seine Werke, trieb damit auch die Preise in die Höhe und bewundert den Künstler für seinen Lebensstil, der es versteht, berühmt zu sein und trotzdem anonym zu bleiben. Humor und Witz zeichnen Bansky aus und er scheint wieder etwas Freundlichkeit in die Museen zu bringen. Er besticht mit Intelligenz und äußerte schon früh den Traum, dass Menschen in Zukunft fünfzehn Minuten anonym sein dürfen. Das Credo von Warhol und Lichtenstein ist ihm bestens bekannt, er setzt sich sogar darüber hinweg.
Mit 14 begann Bansky das Sprayen und hat seit dem schon viele Kunstaktionen auf die Beine gestellt, wobei die besten davon leider undokumentiert blieben. So brach er schon einmal nachts in das Gehege der Pinguine im Londoner Zoo ein, um dort ein riesiges Transparent mit den Worten „we are bored of eating fish“ anzubringen. Ins Disneyland schmuggelte er eine aufblasbare Puppe, die mit den orangefarbenen Kleidern und den Handschellen einem Guantánamo-Häftling glich. So durften die Achterbahnfahrer alle für einen kurzen Augenblihttp://www.tease-online.de/wp-admin/post-new.phpck den Schock erleiden, es sei ein Guantánamo-Häftling dort neben den Gleisen angekettet.
Sowohl Zeitgeist als auch technischer Geist und Ästhetik werden vereint. Er selbst hält sich nicht damit auf, in Museen zu stehlen, sondern bereichert lieber durch seine Arbeit. So bekam das Porträt einer Lady schonmal eine Gasmaske ab oder die Mona Lisa einen Smiley ins Gesicht. Acht Tage lang hing im British Museum unbemerkt ein Stück Felsmalerei aus Zeiten der Jäger und Sammler, wobei sich daneben abgebildet ein Mensch mit Einkaufswagen fand.
Indessen werden Banskys Werke, die eher in Städten als Museen hängen, immer wertvoller. Die jüngsten Arbeiten entstanden dann aber wohl doch im Atelier, zumindest hat man ihn sonst nicht gesehen. Doch sicher ist, dass er mit seiner Kunst etwas zu verändern scheint.