Moderne Archäologie: Banksybild in Berlin gefunden

Banksy © pierre33 - Fotolia.com

Banksy © pierre33 - Fotolia.com

Das ist Archäologie, nur einmal ganz anders: Nicht auf den Spuren von Pharaoen oder den alten Römern, sondern des Street-Art-Künstlers Banksy, der sich zunehmender Popularität erfreut. Denn dieser hatte vor acht Jahren ein Bild an eine Wand des Künstlerhauses Bethanien im Szene-Viertel Berlin-Kreuzberg gesprüht, das einfach übermalt wurde. Damals nannte man Banksy schließlich noch nicht den berühmtesten Street-Art-Künstler der Welt, kaum jemand hatte überhaupt schon von ihm gehört, allenfalls jenseits des etablierten Kunst-Zirkus’ nahm man ihn war. Noch dazu entstand das Bild im Rahmen eines Sprayer-Wettbewerbs – Banksys Beitrag war nur einer von vielen. Das seinem Bild nun aber so eine verspätete Aufmerksamkeit zu Teil wird, dürfte Banksy freuen: Rund 20 Lagen Farbe mussten von zwei Restauratoren zehn Tage lang entfernt werden, um das Werk freizulegen. Das Bild zeigt fünf lebensgroße Soldaten mit Maschinengewehren, Flügeln und gelben Smiley-Gesichtern. Über ihren Köpfen erstreckt sich der Schriftzug “Every picture tells a lie!”.

Dass die Öffentlichkeit dieses Stück Street-Art nun wieder bewundern kann, ist Adrian Nabi und Brad Downey zu verdanken. Nabi kuriert die Ausstellung “Do not think!”, die derzeit im Kunsthaus Bethanien läuft und fünf berühmte Street-Art-Künstler versammelt. Brad Downey ist einer von ihnen. Er war auch schon beim gleichen Festival vor acht Jahren dabei wie Banksy – und erinnerte sich an dessen Werk. Er ließ nicht nur das Bild wiederherstellen, sonder strich den Raum rot und ließ gewisse Stücke aus dem Putz fräsen. Der Staub der Bauarbeiten ist einfach liegengelassen worden. “What lies beneath” nennt Downey seine Zeitreise. Dabei hat er weniger die offensichtliche Interpretation im Blick, sondern wagt viel eher eine harsche Kritik am Kunstmarkt: Es gehe nicht mehr um Inhalte, sondern nur noch um den ökonomischen Wert. 

Der Fotograf Gerd Danigel

Seit einigen Jahren veröffentlicht der Leipziger Lehmstedt Verlag in regelmäßiger Abfolge umfangreiche Bände mit Schwarweiß-Fotografien aus der DDR. Die Kritiker sind hellauf begeistert, handelt es sich bei den Schöpfern der Bilder doch meist um unbekannte Talente die einem breiten Publikum bisher verborgen blieben. So auch der Protagonist des jüngsten Bandes, Gerd Danigel. Danigels Schwarzweiß-Bilder des Berliner Stadtteils Prenzlauer Berg bestechen durch ihre subtilen Botschaften, Humor und einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe. Danigel wuchs dort auf, in dem Viertel zwischen der Schönhauser Allee und der Greifswalder Straße, das nach dem Krieg das klassische Arbeiterviertel war, später zum sagenumwobenen Revier der Künstler wurde, und heutzutage als modernes Yuppie Viertel verschrien ist, in dem Bionade und Latte-Macchiato-Trinker schon längst die Studenten, Künstler und Punks vertrieben haben.

Danigel konnte in der Zeit, in der seine nun veröffentlichten Fotos entstanden, nichts von dem Schicksal ahnen, das seinen Stadtteil ereilen sollte. Bewaffnet mit der Kamera seiner Schwester und angeleitet von dem berühmten Fotografen Roger Melis, dem, wie es die Süddeutsche Zeitung ausdrückt, „einzigen, dem das Regime eine gewisse Mondänität zu gestand“, der zufällig in der Nachbarschaft Danigels lebte und dem jungen Nachwuchskünstler die Werke von August Sander oder Henri Cartier-Bresson näher brachte.

Der Prenzlauer Berg, Foto: Oh Berlin_Flickr

In seiner unmittelbaren Umgebung also, schulte Danigel sein fotografisches Talent. Der Prenzlauer Berg der späten Siebziger und frühen Achtziger Jahre bot ihm eine perfekte Spielwiese für seine teilweisen melancholischen Betrachtungen. Im Krieg nahezu unversehrt geblieben, fiel der Prenzlauer Berg immer mehr dem Desinteresse der DDR-Führung an architektonischer Schönheit und dem daraus resultierendem Verfall zu Opfer. Zeugnis davon bieten die Kulissen die sich Danigel für seine Portaits und Schnappschüsse von Kindern und älteren Leuten aussucht.

Nach einer kurzen Anstellung als Fotograf am “Institut für Kulturbauten”, in den letzten Jahren der DDR, führte Danigel in den Neunziger Jahren seine Beobachtungen fort, und beschreibt in ebenso kunstvoller Weise wie zuvor das sich wandelnde Berlin.

Der Street Art Künstler Banksy

Eine neue Zeit der Kunstgeschichte könnte anbrechen, vertraut man auf Brad Pitt oder Sotheby´s, das die Arbeit dieses Künstlers prompt zur modernen Klassik zählt. Die Rede ist von dem vermeintlichen Künstler Bansky.

Eine Ratte war verschwunden. Eine Ratte aus Aerosol auf einer Mauer, die geradezu chirurgisch von ein paar Dieben entfernt wurde. Die Ratte darf sich somit als erstes Graffiti bezeichnen, das mitsamt Mauerunterlage entwendet wurde. Dabei geht es aber nicht um ein paar altbekannte Schriftzüge im Bubble-Style, sondern um ein kleines Kunstwerk, das ballspielende Tier, das mithilfe einer Schablone ihren Weg auf Stein fand.

Banksy, Foto: Urban Art Association_Flickr

Zuletzt wurde sogar versucht, das Stück über Ebay zu versteigern und hätte wohl ein Vermögen einbringen können, doch Anwohner von Gloucester Gardens beschwerten sich und die Auktion musste abgebrochen werden. Putzkolonnen gegen Graffiti werden in Städten wie New York, London, Berlin und Bristol aufgehalten, doch die Ratte bleibt verschwunden.

Mit diesem kleinen Tier schaffte es Bansky sein Graffiti-Werk teurer zu machen als das Haus selbst, dass es vorher noch zierte. Die Diebe wussten dabei genau, was sie tun, denn im Januar 2007 wurde durch Sotheby´s bereits ein Bild von Bansky für umgerechnet achtzigtausend Euro verkauft. Selbst seine gesprayte Signatur handelt man im Internet für 8500 Dollar.

1974 in Bristol geboren, tauchte er plötzlich auf, wobei man sich nicht mal um seinen richtigen Namen sicher ist. Nicht einmal sein Gesicht kennt man. Ein einziger Journalist führte nur je ein Interview mit dem mysteriösen Künstler durch und hat mittlerweile jedoch auch keinen Kontakt zu ihm. Man scheint schwer heranzukommen an den etwas ungepflegten, aber sympathischen Mann mit silberner Kette und silbernem Zahn, den der Journalist damals zu Gesicht bekam. Doch für weitere Gespräche sei Bansky nicht bereit, ließ er von seinem Manager ausrichten. Um seine Arbeit nicht hinter Gittern fortführen zu müssen, sei Anonymität das Wichtigste.

Brad Pitt sammelt seine Werke, trieb damit auch die Preise in die Höhe und bewundert den Künstler für seinen Lebensstil, der es versteht, berühmt zu sein und trotzdem anonym zu bleiben. Humor und Witz zeichnen Bansky aus und er scheint wieder etwas Freundlichkeit in die Museen zu bringen. Er besticht mit Intelligenz und äußerte schon früh den Traum, dass Menschen in Zukunft fünfzehn Minuten anonym sein dürfen. Das Credo von Warhol und Lichtenstein ist ihm bestens bekannt, er setzt sich sogar darüber hinweg.

Mit 14 begann Bansky das Sprayen und hat seit dem schon viele Kunstaktionen auf die Beine gestellt, wobei die besten davon leider undokumentiert blieben. So brach er schon einmal nachts in das Gehege der Pinguine im Londoner Zoo ein, um dort ein riesiges Transparent mit den Worten „we are bored of eating fish“ anzubringen. Ins Disneyland schmuggelte er eine aufblasbare Puppe, die mit den orangefarbenen Kleidern und den Handschellen einem Guantánamo-Häftling glich. So durften die Achterbahnfahrer alle für einen kurzen Augenblihttp://www.tease-online.de/wp-admin/post-new.phpck den Schock erleiden, es sei ein Guantánamo-Häftling dort neben den Gleisen angekettet.

Sowohl Zeitgeist als auch technischer Geist und Ästhetik werden vereint. Er selbst hält sich nicht damit auf, in Museen zu stehlen, sondern bereichert lieber durch seine Arbeit. So bekam das Porträt einer Lady schonmal eine Gasmaske ab oder die Mona Lisa einen Smiley ins Gesicht. Acht Tage lang hing im British Museum unbemerkt ein Stück Felsmalerei aus Zeiten der Jäger und Sammler, wobei sich daneben abgebildet ein Mensch mit Einkaufswagen fand.

Indessen werden Banskys Werke, die eher in Städten als Museen hängen, immer wertvoller. Die jüngsten Arbeiten entstanden dann aber wohl doch im Atelier, zumindest hat man ihn sonst nicht gesehen. Doch sicher ist, dass er mit seiner Kunst etwas zu verändern scheint.