Kraftwerk im Museum

Futurismus © Cmon - Fotolia.com

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Eine der wohl einflussreichsten deutschen Bands kommt nun ins Museum: Das Schaffen der vier Elektro-Pioniere von Kraftwerk kann nun virtuell in 3-D bewundert werden. Schon 1981 durchschauten die technikaffinen Jungs aus Düsseldorf die Gefahren der virtuellen Welt für Datenschutz und Privatssphäre. Das allein ist ein guter Grund, warum sich der Münchener Kunstbau zu Recht der Band widmet. Zuvor gibt die Formation drei Konzerte im alten Münchener Kongress-Saal von 1953.

Kraftwerk ist das für den Musikkosmos das, was etwa Kadisnky für die Malerei oder Fritz Lang für den Film ist: Visionäre, Pinoniere, gefangen zwischen Begeisterung und Befürchtung der neuen Technologien. Kraftwerk lassen sich sogar besser als Sci-Fi-Bildung in Musikform verstehen, als als Musiker, die sich für technische Neuerungen interessieren. Minimal Art, die Kunst am Rhein während der 60iger Jahre, Theaterräume wie die aus dem Almanach des “Blauen Reiters”, dialektische Zukunftsträumereien, Retrofuturismus: Das alles kann in einen sinnvollen Zusammenhang mit Kraftwerk gestellt werden – und es gelingt in München.

Neben der Musik war die Inszenierung der Live-Shows einer der wichtigsten Aspekte von Kraftwerk. Plasmaschirme, aufwendige Animationen, hoch künstlerische Bühnenbilder: Das alles kann in München mit 3-D-Brillen wiedererleben, fast realer, als bei einem Konzert von Kraftwerk dabei zu sein. Setzt man eine Brille auf, wird man beschossen von grünen Digitalziffern und Quellcodes. Dazu die Stimme Ralf Hütters: “Nummer. Zahlen. Handel. Leute.” In den Ecken des Raumes stehen die vier Musiker als Puppen – oder eben als Roboter, ganz, wie man will.

Die Ausstellung läuft leider nur einen Monat lang, weshalb Fans und Interessierte sich beeilen sollten. Wer auf die Schnelle kein Hotel findet, sollte sich im Internet erkundigen, dort finden sich schnell und einfach Hotelzimmer. Diese können direkt gebucht werden und sind sofort verfügbar. Viel Spaß bei der Reise zurück in die Zukunft oder vorwärts in die Vergangenheit!

Rosenstolz: Burn-out überwunden

Rosenstolz, Foto: ju. koehler_flickr

Rosenstolz, so nennen sich Sängerin AnNa R. und Sänger und Songwriter Peter Platte seit 1991, als die beiden nach der Wende in Berlin zueinander fanden. So begann vor 20 Jahren der zuerst noch kleinere Musikerfolg der beiden Musiker, bis die Hallen größer und die Tourneen länger wurden.
Anfang 2009 dann stand Peter Platte auf der Bühne vor 12 000 erwartungsvollen Hamburgern, denen er zunächst noch euphorisch seine Show bot, als der damals 42-jährige sich plötzlich unwohl fühlte. Diese bisher letzte Vorstellung musste er unter Beruhigungsmitteln fortführen, bevor am folgenden Morgen seine Weinkrämpfe nicht mehr zu bekämpfen waren. Kurze Zeit später verkündeten Rosenstolz, dass Platte wegen Burn-outs vorläufig ausfallen werde.
Diese Diagnose hat sich mittlerweile zur Volkskrankheit entwickelt. Bekannte Zeitschriften veröffentlichten bereits ausführliche Berichte zu der Krankheit, in denen es unter anderem heißt, dass die Weltgesundheitsorganisation davor warne, Burn-out würde spätestens 2030 volkswirtschaftlich schlimmere Folgen haben als Herz-Kreislauf-Krankheiten. Dem widmen Rosenstolz einen ganzen Soundtrack, der zur Verarbeitung und Therapie genutzt wurde und auf dem sie nun wieder “Wir sind am Leben” singen. Die lange Leidenszeit nach dem Zusammenbruch, aber auch der Weg, der wieder herausführt, finden in ihrem neuen Album ihren Platz, der vertont und besungen wurde.

Auch Peter Platte musste am eigenen Leib erleben, dass vor allem die Pop-Branche dem Burn-out die Türen öffnet. Scheitern am eigenen Erfolg, dem man scheinbar nicht mehr gerecht werden kann. Peter Platte glaubte damals zu erkennen, dass er außer dem “Lieder schreiben” nicht viel zu bieten habe, um das Leben zu meistern. Er fühlte sich klein im Angesicht des riesigen Erfolgs, den Rosenstolz erreichten und es sei das seit 15 Jahren unterdrückte Lampenfieber gewesen, dass an jenem Abend seines Zusammenbruches über ihn hereinfiel. Damit ist er nicht allein, das wissen Rosenstolz, wollen etwas von diesem Weg erzählen und manchen davor bewahren, ihn selbst einzuschlagen. “Hast du alles versucht, hast du alles getan, hast du wirklich gelebt?” werden sie ihre Zuhörer schon bald fragen.