Streetart im Museum: Die Ausstellung ‘Wallflower’

© Binkski - Fotolia.com

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Streetart im Museum: Die Ausstellung ‘Wallflower’.

Bei der Ausstellung Wallflower, die von Stefan Winterle in der Carhartt Gallery Wheil am Rhein, ausgerichtet wird, ist vieles anders als bei traditionellen Veranstaltungen. Die Künstler sind keinesfalls gestandene Größen der lokalen Kunstszene. Vielmehr sind sie Jäger der Nacht, Schattengestalten, die ihre Werke bis heute an die Wände europäischer Großstädte sprühen und deshalb von der Presse auch nicht abgelichtet werden dürfen. 

Ein Großteil der Werke entsteht bei “Wallflower” vor Ort. Alles soll so authentisch wie möglich wirken. Die Größen der Szenen aus Amerika und ganz Europa hat Winterle hier zusammengeführt. In der Gallerie erklingt eine Mischung aus Funk und Hip-Hop Musik. Man hat das Gefühl in die Gründerzeiten der Sprayerzeiten zurückversetzt worden zu sein. 

Auf bis zu vier Quardratmetern konnten die Sprayer sich austoben. Längst sind aus den Straßenkünstlern hippe und gefragte Künstler geworden. Über die Hälfte der Künstler hat bereits auf der Art Miami Basel ausgestellt. Nach dem Erfolg der letzen Ausstellungen, die sich alle mit der urbanen Kunst beschäftigten, hat sich die Carharrt Gallery einen guten Ruf erarbeitet. Die Künstler kamen bereitwillig, obwohl sie meist einen mehr als vollen Terminkalender besitzen. 

Die Gallerie wurde von der Sprayerlegende Sigi von Koeding alias Dare aufgebaut und erhielt 2010 nach seinem Tod eine neue Ausrichtung. Wallflowers ist nun die erste offizielle Winterausstellung seit diesem traurigen Ereignis. 

Hartz IV Möbel

24 Euro Sessel

Wir leben in einer Luxus- und Spaßgesellschaft. Dabei wissen die meisten gar nicht mehr wieviel eigentlich die Dinge wert sind, geschweige denn wie sie produziert werden. Doch seit der Wirtschaftskrise beschäftigt sich auch die Bevölkerung in den Industriestaaten wieder mehr damit, was eigentlich Luxus für einen ist. So möchte man weg vom Trend nur sinnlos zu konsumieren. Viel mehr geht es darum, sich wieder bewusster mit den eigenen Besitztümern auseinander zu setzen.

Und diesen Geist der Zeit trifft Le van Bo genau auf dem Kopf. Dieser ist Architekt und hat seine eigene Möbelkollektion kreiert. Dabei geht es vor allem darum, sich nicht einfache teure Möbel zu kaufen und diese in die Wohnung zu stellen, sondern viel mehr selbst Hand anzulegen und zu begreifen wie das Möbelstück überhaupt konzipiert wurde. So bezeichnet er seine Reihe auch als “Möbel für Hartz IV” Empfänger.

So hat er zum Beispiel einen Sessel konzipiert, der 24 Euro kostet und damit zur günstigeren Sorte gehört. Dabei beansprucht dieser ungefähr 3 Tage Zeit zum zusammenbauen. Zeit die ein Hartz IV Empfänger auf jeden Fall hätte. Nur ob er sich diese Zeit nehmen möchte ist die andere Frage. Doch genau, dass ist der Knackpunkt den Le van Bo treffen möchte. Wer seine Möbel benutzen möchte, der muss entscheiden ob es ihm Wert ist diese Zeit und Arbeit dort hinein zu stecken.

Außerdem möchte er noch eine andere Debatte loslösen. So will er zeigen, dass man Deutschland nicht einfach in “Hartz IV Empfänger und “Nicht Hartz IV Empfänger” teilen kann. Dies zeigt auch der Verkauf seiner Möbelkollektion, so wird diese sowohl von Hartz IV Empfängern, also auch von nicht-Empfängern gekauft. So geschieht es nun, dass wenn man bei google “Hartz IV Möbel” eingibt, nicht nur klischeehafte heruntergekommene Möbel erscheinen, sondern genau seine Kollektion.

Der Fotograf Gerd Danigel

Seit einigen Jahren veröffentlicht der Leipziger Lehmstedt Verlag in regelmäßiger Abfolge umfangreiche Bände mit Schwarweiß-Fotografien aus der DDR. Die Kritiker sind hellauf begeistert, handelt es sich bei den Schöpfern der Bilder doch meist um unbekannte Talente die einem breiten Publikum bisher verborgen blieben. So auch der Protagonist des jüngsten Bandes, Gerd Danigel. Danigels Schwarzweiß-Bilder des Berliner Stadtteils Prenzlauer Berg bestechen durch ihre subtilen Botschaften, Humor und einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe. Danigel wuchs dort auf, in dem Viertel zwischen der Schönhauser Allee und der Greifswalder Straße, das nach dem Krieg das klassische Arbeiterviertel war, später zum sagenumwobenen Revier der Künstler wurde, und heutzutage als modernes Yuppie Viertel verschrien ist, in dem Bionade und Latte-Macchiato-Trinker schon längst die Studenten, Künstler und Punks vertrieben haben.

Danigel konnte in der Zeit, in der seine nun veröffentlichten Fotos entstanden, nichts von dem Schicksal ahnen, das seinen Stadtteil ereilen sollte. Bewaffnet mit der Kamera seiner Schwester und angeleitet von dem berühmten Fotografen Roger Melis, dem, wie es die Süddeutsche Zeitung ausdrückt, „einzigen, dem das Regime eine gewisse Mondänität zu gestand“, der zufällig in der Nachbarschaft Danigels lebte und dem jungen Nachwuchskünstler die Werke von August Sander oder Henri Cartier-Bresson näher brachte.

Der Prenzlauer Berg, Foto: Oh Berlin_Flickr

In seiner unmittelbaren Umgebung also, schulte Danigel sein fotografisches Talent. Der Prenzlauer Berg der späten Siebziger und frühen Achtziger Jahre bot ihm eine perfekte Spielwiese für seine teilweisen melancholischen Betrachtungen. Im Krieg nahezu unversehrt geblieben, fiel der Prenzlauer Berg immer mehr dem Desinteresse der DDR-Führung an architektonischer Schönheit und dem daraus resultierendem Verfall zu Opfer. Zeugnis davon bieten die Kulissen die sich Danigel für seine Portaits und Schnappschüsse von Kindern und älteren Leuten aussucht.

Nach einer kurzen Anstellung als Fotograf am “Institut für Kulturbauten”, in den letzten Jahren der DDR, führte Danigel in den Neunziger Jahren seine Beobachtungen fort, und beschreibt in ebenso kunstvoller Weise wie zuvor das sich wandelnde Berlin.

Was ist Minimal Art?

Minimale Kunst heißt „Minimal Art“ zu Deutsch und fand in den 60er Jahren ihre Anfänge. Sie zeigte sich in den USA als wichtige Erneuerungsbewegung der Skulptur nach 1945.

Bei der Entstehung des Begriffes deutet vieles darauf hin, dass er 1965 durch Richard Wollheim, einem amerikanischen Kunstkritiker, erste Verwendung fand. Im Jewish Museum in New York fand 1966 eine programmatische Ausstellung statt. Unter dem Titel „Primary Structures“ wurden die gegenstandslosen Skulpturen aus stark reduzierten, geometrischen Körpern gezeigt, die die Minimal Art ausmachen. Die charakteristische Gestalt dieser Skulpturen zeigt sich in Primärformen wie Kubus, Kugel, Quader oder Zylinder und sollen nicht für metaphorische oder illusionistische Zwecke dienen. Mittelpunkt sind hier die Wechselbezüge der einzelnen Elemente sowie Licht- und Raumverhältnisse.

Minimal Art, Foto: glasseyesviews_flickr

Minimal Art vereint bestimmte Bereiche des Konstruktivismus und der konkreten Kunst. An das Hard Edge der Malerei erinnernd, fasst sie vor allem die Skulptur ins Auge und entstand als Gegenbewegung der Gegenständlichkeit in der Pop Art und dem subjektiven abstrakten Expressionismus. Rationale Blockformen sorgen für einen hermetischen Eindruck, aber auch eine spielerische Komponente zeichnet diese Kunstform aus. So ist zu erkennen, dass nach gewissen mathematischen Gesetzen Elemente ab- oder zunehmen oder Leerräume zwischen den Teilen der Skulptur gelassen werden. Wichtig dabei ist das Gestaltungsprinzip der Reihung. Zum Baustein der gesamten Skulptur werden gleiche Elemente, die in eine reihenartige Anordnung gebracht werden. Man hat es hier also mit einer Stilrichtung zutun, die präzise kalkuliert, sachlich und rational bleibt und Gesetzmäßigkeiten folgt, die objektiv scheinen. Ebenso zeitlos scheint sie und frei von jeglichen subjektiven „Schliffen“ durch den Künstler.

Carl Andre schuf flache, begehbare Metallplatten, Donald Judd farbige, kastenartige Wandobjekte. Auch die quaderförmigen Gitterstrukturen von Sol LeWitt gehören zu den wichtigsten Arbeiten. Bedeutende Künstler sind neben Dan Flavin, John McCracken und Robert Morris in Deutschland beispielsweise Friedrich Gräsel und Alf Lechner.

Auf Concept Art, die als konsequente Weiterführung dieser Stilrichtung angesehen wird, und Land Art hatte Minimal Art bedeutenden Einfluss. Viele Künstler bewegen sich während ihrer Arbeit in allen diesen Stilformen.

Mittlerweile zeigen auch Möbel von Zeus oder Philippe Starcks Einflüsse des Minimalismus im Design. Ebenso findet man die Minimal Art in ihren Stilmerkmalen bei Arbeiten von Metamemphis in der bildenden Kunst wieder.

Der Street Art Künstler Banksy

Eine neue Zeit der Kunstgeschichte könnte anbrechen, vertraut man auf Brad Pitt oder Sotheby´s, das die Arbeit dieses Künstlers prompt zur modernen Klassik zählt. Die Rede ist von dem vermeintlichen Künstler Bansky.

Eine Ratte war verschwunden. Eine Ratte aus Aerosol auf einer Mauer, die geradezu chirurgisch von ein paar Dieben entfernt wurde. Die Ratte darf sich somit als erstes Graffiti bezeichnen, das mitsamt Mauerunterlage entwendet wurde. Dabei geht es aber nicht um ein paar altbekannte Schriftzüge im Bubble-Style, sondern um ein kleines Kunstwerk, das ballspielende Tier, das mithilfe einer Schablone ihren Weg auf Stein fand.

Banksy, Foto: Urban Art Association_Flickr

Zuletzt wurde sogar versucht, das Stück über Ebay zu versteigern und hätte wohl ein Vermögen einbringen können, doch Anwohner von Gloucester Gardens beschwerten sich und die Auktion musste abgebrochen werden. Putzkolonnen gegen Graffiti werden in Städten wie New York, London, Berlin und Bristol aufgehalten, doch die Ratte bleibt verschwunden.

Mit diesem kleinen Tier schaffte es Bansky sein Graffiti-Werk teurer zu machen als das Haus selbst, dass es vorher noch zierte. Die Diebe wussten dabei genau, was sie tun, denn im Januar 2007 wurde durch Sotheby´s bereits ein Bild von Bansky für umgerechnet achtzigtausend Euro verkauft. Selbst seine gesprayte Signatur handelt man im Internet für 8500 Dollar.

1974 in Bristol geboren, tauchte er plötzlich auf, wobei man sich nicht mal um seinen richtigen Namen sicher ist. Nicht einmal sein Gesicht kennt man. Ein einziger Journalist führte nur je ein Interview mit dem mysteriösen Künstler durch und hat mittlerweile jedoch auch keinen Kontakt zu ihm. Man scheint schwer heranzukommen an den etwas ungepflegten, aber sympathischen Mann mit silberner Kette und silbernem Zahn, den der Journalist damals zu Gesicht bekam. Doch für weitere Gespräche sei Bansky nicht bereit, ließ er von seinem Manager ausrichten. Um seine Arbeit nicht hinter Gittern fortführen zu müssen, sei Anonymität das Wichtigste.

Brad Pitt sammelt seine Werke, trieb damit auch die Preise in die Höhe und bewundert den Künstler für seinen Lebensstil, der es versteht, berühmt zu sein und trotzdem anonym zu bleiben. Humor und Witz zeichnen Bansky aus und er scheint wieder etwas Freundlichkeit in die Museen zu bringen. Er besticht mit Intelligenz und äußerte schon früh den Traum, dass Menschen in Zukunft fünfzehn Minuten anonym sein dürfen. Das Credo von Warhol und Lichtenstein ist ihm bestens bekannt, er setzt sich sogar darüber hinweg.

Mit 14 begann Bansky das Sprayen und hat seit dem schon viele Kunstaktionen auf die Beine gestellt, wobei die besten davon leider undokumentiert blieben. So brach er schon einmal nachts in das Gehege der Pinguine im Londoner Zoo ein, um dort ein riesiges Transparent mit den Worten „we are bored of eating fish“ anzubringen. Ins Disneyland schmuggelte er eine aufblasbare Puppe, die mit den orangefarbenen Kleidern und den Handschellen einem Guantánamo-Häftling glich. So durften die Achterbahnfahrer alle für einen kurzen Augenblihttp://www.tease-online.de/wp-admin/post-new.phpck den Schock erleiden, es sei ein Guantánamo-Häftling dort neben den Gleisen angekettet.

Sowohl Zeitgeist als auch technischer Geist und Ästhetik werden vereint. Er selbst hält sich nicht damit auf, in Museen zu stehlen, sondern bereichert lieber durch seine Arbeit. So bekam das Porträt einer Lady schonmal eine Gasmaske ab oder die Mona Lisa einen Smiley ins Gesicht. Acht Tage lang hing im British Museum unbemerkt ein Stück Felsmalerei aus Zeiten der Jäger und Sammler, wobei sich daneben abgebildet ein Mensch mit Einkaufswagen fand.

Indessen werden Banskys Werke, die eher in Städten als Museen hängen, immer wertvoller. Die jüngsten Arbeiten entstanden dann aber wohl doch im Atelier, zumindest hat man ihn sonst nicht gesehen. Doch sicher ist, dass er mit seiner Kunst etwas zu verändern scheint.

Der Schriftsteller Liao Yiwu

Chinesisch / freelikeabird

Wie kann man das Unaussprechliche in Worte fassen? Wie kann man das Leid, den Terror und die Zerstörung von Ereignissen wie Auschwitz oder Hiroshima so darstellen, dass der Rezipient zumindest einen Eindruck von der Wirklichkeit bekommt?Reine dokumentarische Mittel versagen hier, da die Schrecken dieser Ereignisse über unsere Vorstellungskraft hinausgehen. Es kann Aufgabe der Kunst sein, beispielsweise der Literatur den Menschen einen Zugang zu jenem Grauen zu eröffnen für das es keine Worte mehr gibt.

Paul Celan gelang dies mit seinem Gedicht „Die Todesfuge“, in dem er die Greueltaten der Nazis in Auschwitz lyrisch verarbeitet. Marguerite Duras und Alain Resnais gelang es ebenfalls mit ihrem schrecklich-schönen Film „Hiroshima mon Amour“, der die Folgen des amerikanischen Atombombenangriffs auf die japanische Stadt kunstvoll und vielschichtig beleuchtet. Nun reiht sich ein weiterer Name in diesen Kreis. Der chinesische Autor Liao Yiwu musste für sein Gedicht „Massaker“, das er am Vorabend des Massakers auf dem Tianmen Platz schrieb, für vier Jahre ins Gefängnis.

Das Gedicht, das auf Video im ganzen Land verbreitet wurde, „gibt den Benachteiligten und Erniedrigten Chinas ihre Stimme“, so die Süddeutsche Zeitung. Nach seiner Freilassung aus dem Gulag im Jahre 1994 fuhr Liu fort, seine Erlebnisse im Gulag literarisch zu verarbeiten und wurde so zu einem der wichtigsten Regimekritiker des Landes, auch wenn er dies stets ablehnt, sich nicht der Politik, sondern der Poesie verpflichtet fühlt. Nach Jahren der politischen Verfolgung und Schikanen im Land der KP, gelang es Liu nun nach Deutschland auszureisen, und sein Buch “Für ein Lied und hundert Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen”, das er dreimal neu schreiben musste, zu veröffentlichen.

Die Intensität seiner Sprache erscheint dem Leser dabei wie ein Schrei, wie „der universal verständliche Schrei der gequälten chinesischen Kreatur im Würgegriff des kommunistischen Leviathan“, wie es der Soziologe Detlef Claussen in seiner emotionalen Rezension, in der SZ formuliert. Welch andere Form als einen Schrei der Verzweiflung kann das Werk eines Autors auch annehmen, dessen Lehrmeister nicht Goethe, Hugo, Cervantes oder Shakespeare waren, sondern Hunger, Schande, Obdachlosigkeit und Gefängnis?