Seit einigen Jahren veröffentlicht der Leipziger Lehmstedt Verlag in regelmäßiger Abfolge umfangreiche Bände mit Schwarweiß-Fotografien aus der DDR. Die Kritiker sind hellauf begeistert, handelt es sich bei den Schöpfern der Bilder doch meist um unbekannte Talente die einem breiten Publikum bisher verborgen blieben. So auch der Protagonist des jüngsten Bandes, Gerd Danigel. Danigels Schwarzweiß-Bilder des Berliner Stadtteils Prenzlauer Berg bestechen durch ihre subtilen Botschaften, Humor und einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe. Danigel wuchs dort auf, in dem Viertel zwischen der Schönhauser Allee und der Greifswalder Straße, das nach dem Krieg das klassische Arbeiterviertel war, später zum sagenumwobenen Revier der Künstler wurde, und heutzutage als modernes Yuppie Viertel verschrien ist, in dem Bionade und Latte-Macchiato-Trinker schon längst die Studenten, Künstler und Punks vertrieben haben.
Danigel konnte in der Zeit, in der seine nun veröffentlichten Fotos entstanden, nichts von dem Schicksal ahnen, das seinen Stadtteil ereilen sollte. Bewaffnet mit der Kamera seiner Schwester und angeleitet von dem berühmten Fotografen Roger Melis, dem, wie es die Süddeutsche Zeitung ausdrückt, „einzigen, dem das Regime eine gewisse Mondänität zu gestand“, der zufällig in der Nachbarschaft Danigels lebte und dem jungen Nachwuchskünstler die Werke von August Sander oder Henri Cartier-Bresson näher brachte.

Der Prenzlauer Berg, Foto: Oh Berlin_Flickr
In seiner unmittelbaren Umgebung also, schulte Danigel sein fotografisches Talent. Der Prenzlauer Berg der späten Siebziger und frühen Achtziger Jahre bot ihm eine perfekte Spielwiese für seine teilweisen melancholischen Betrachtungen. Im Krieg nahezu unversehrt geblieben, fiel der Prenzlauer Berg immer mehr dem Desinteresse der DDR-Führung an architektonischer Schönheit und dem daraus resultierendem Verfall zu Opfer. Zeugnis davon bieten die Kulissen die sich Danigel für seine Portaits und Schnappschüsse von Kindern und älteren Leuten aussucht.
Nach einer kurzen Anstellung als Fotograf am “Institut für Kulturbauten”, in den letzten Jahren der DDR, führte Danigel in den Neunziger Jahren seine Beobachtungen fort, und beschreibt in ebenso kunstvoller Weise wie zuvor das sich wandelnde Berlin.